Kellertexte

Texte aus dem Keller.

Apr 28

Rotkäppchen neu erzählt

Red Cap // Agnes Bachmaier

Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem tiefen, tiefen Wald, ein wunderschönes Mädchen, stets gesehen mit einem roten Baseballkäppchen.
Ihr Ruf eilte Ihr voraus.
Man nannte sie Red Cap.
Sie war Anführerin der berüchtigten Gruppierung “the lost girls”. Zusammen mit Alice D. und Schneeflittchen war sie an Durchtriebenheit, Hedonismus und Wood Credibility kaum zu übertreffen.
Red Cap’s Ehrgeiz stand in langer Tradition, sie war die Enkelin der fürchterlichen Zahnfee.
Diese hatte vor langer Zeit das halluzinogene Potential gemahlener Wolfsreißzähne entdeckt. Seit jenem Tage vertickte die Zahnfee sehr erfolgreich einen mit jener Spezialzutat versehenen Kuchen, “the cake”.
So war es für Red Cap unumgängliche Konsequenz, Zahnfees Imperium weiter zu vertreten. Um die Drogenabhängigkeit in der Hood noch zu dramatisieren, organisierten Red Cap, Alice D. und Schneeflittchen täglich das sogenannte Rainbow Festival.
Schneeflittchen lebte in wilder Ehe mit 7 kleinwüchsigen Bergarbeitern, die für sie Crystel abbauten. Als Start-Up sehr beliebt. Alice D.’s Trips waren legendär und gern genossen in Kombination mit Brother Grimm’s Trancehall.
Ohne Cake allerdings, wäre jedes Rainbow ins Wasser gefallen. Deswegen waren die Babes, wenn sie nicht gerade hardcore feierten, für gewöhnlich auf Wolfsjagd.
Meistens schnappten sie sich Babywölfchen, indem sie die Wolfsmütter mit vergifteten Geschossen betäubten, um dann den schutzlosen Fellknäulen die Reißzähne zu ziehen.
In Großmutter Zahnfee’s Backstube entstanden dann die Cakes: Vanilla, Blueberry und Tripple Chocolate.
Als Red Cap eines Tages mit einer noch warmen Lieferung Vanilla Cake in Richtung Rainbow Headquarters unterwegs war, fiel ihr auf einer ins Abendrot getauchten Lichtung ein wunderschöner Jüngling mit außerordentlich kräftiger Bauchmuskulatur auf.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Red Cap’s eisblaue Augen funkelten hellrosa, als Lucky Lupo sie mit Himbeeren fütterte und sie sein Brusthaar kräuselte.
Die Romantisy schien perfekt, als auch noch ein silberner Vollmond am Horizont aufging. Doch in diesem Moment ertönte übellauniges Grunzen und Lucky Lupo hatte sich in einen reißzahnlosen Wolf verwandelt.
Der Knoten war geplatzt, doch Red Cap blieb loyal.
Durch Lupo erfuhr sie vom Leiden der Wölfe, die durch ihre brutale Praktik zum Vegetarier-Dasein gezwungen waren und mit schlimmen Mangelerscheinungen zu kämpfen hatten.
Red Cap war bereit auszusteigen und das bedeutete die schwerwiegendste Entscheidung ihres Lebens.
Sie wusste, von nun an würde sie nur noch an einem revolutionären Tofukochbuch schreiben und zuammen mit Lupo eine rote Batikkollektion entwickeln.
Die “Lost Girls” waren ohne ihre charismatische Anführerin nur noch ein Haufen abgestürzter Tussen und auch die Zahnfee war aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr in der Lage selbst auf Wolfsjagd zu gehen. Das war für die Hood ein großes Glück! Alle fingen mit Handarbeit, nachmittäglichen Teepartys, sowie dem Backen unbedenklicher Himbeerschnittchen an. Auf Red Cap’s Lippen war nun auch immer ein leichter Himbeergeschmack sowie ein unschuldiges Lächeln und wenn sie nicht gestorben ist, dann lächelt sie noch heute.

// Niklas Klein

1109 knarzt es durch das alte Funkgerät. Die zwei übermüdeten Kriminalpolizisten, welche sich gerade den zweiten Kaffee an der Currywurstbude holten schauen sich schweigend an, steigen ohne Worte in den Wagen und fahren los. Die Straßen sind leer, nur das Auto der Beiden, mit dem vorweg eilenden Blaulicht erhellt die Dunkelheit der kleinen Stadt.

Das Auto hält vor einem hell leuchtenden 24 Stunden Supermarkt. Die letzten Reste des Kaffees werden langsam geschlürft, der Motor ausgemacht. Einer der Beiden geht an den Kofferraum holt die beiden kugelsicheren Westen, und ein Gewehr. Mit den Waffen im Anschlag betreten die Zwei den Supermarkt. Langsam durchstreifen sie die Regal reihen. Die schaurige Stille wird von dem kleineren Polizisten durchbrochen. „ Hier ist niemand, wirklich niemand, lass uns ein Eis holen und verschwinden, die Sonne geht gleich auf“. Er öffnet die beschlagene Gefriertruhe und greift ohne hinein zusehen in die Tiefe. Und fasst auf einen noch warmen, starren Körper.

In der Truhe liegt mit einem roten Turnbeutel über dem Kopf, dessen Kordeln deutliche Abdrücke am Hals hinterlassen haben, ein junger Mann, gekleidet in der Uniform des Supermarktes.

Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen. Langsam füllt sich der Supermarkt mit Polizisten und der Spurensuche. Die ersten Passanten beginnen draußen zu schimpfen, da sie nicht ihren morgendlichen Zeitungskauf tätigen können.

In dem kleinen Hinterzimmer, bei flimmerndem Licht, wird das Videoband der Überwachungskamera zurück gespult.

Auf dem kleinen Bildschirm sieht man wie sich der nun tote Verkäufer langweilt. Um 3Uhr betritt unbemerkt und zügig ein Mann mit schwarzer Hose und rotem Kapuzenpullover den Laden. Er läuft direkt auf die Kasse zu. Als der hinter der Theke sitzende Junge aufblickt wird ihm auch schon der Turnbeutel über den Kopf gestülpt. Der Kapuzenmann zerrt den zappelnden Körper über die Theke und quer durch den Supermarkt, an der Gefriertruhe angelangt wird der regungslose Körper wie ein nasser Sack in diese gehievt. Kurz vorm Verlassen des Ladens dreht sich der Kapuzenmann noch einmal um und verneigt sich in Richtung Kamera. Bei näherem hinzoomen erkennt man das unter der roten Kapuze verborgene Gesicht, oder besser die Maske, eine Wolfsmaske.

Kein Fingerabdruck, keine DNA Spur, nichts, außer die geschätzte Größe von etwa 1,80 Meter ist vom Mann mit der Wolfsmaske zurück geblieben.

Recht schnell wurde die Familie des Jungen ausfindig gemacht. Tot.

// Cathrin Ziegler

Morgen werde ich meine Großmutter besuchen. Sie wohnt in ein ganzes Stück von unserem Haus entfernt und man muss ein kleines Waldstück durchqueren um zu ihr zu gelangen. Der Wald ist an dieser Stelle sehr dicht und die schmalen Wege sind von riesigen, knotigen Wurzeln durchzogen. Ich werde die Strecke deshalb zu Fuß zurücklegen müssen, auch wenn mir der Wald nicht geheuer ist. Meine Großmutter vertraut darauf, dass ich ihr Lebensmittel und Medikamente vorbeibringe, denn sie erholt sich von einer schweren Krankheit.

Ich kann nicht schlafen, seltsame Geräusche dringen aus dem Wald an mein Ohr und lassen vor meinem inneren Auge die grauenvollsten Bilder entstehen. Ich stehe auf und ziehe die Vorhänge zu, denn ich kann das groteske Schattentheater, das der Wald auf meinen Wänden veranstaltet nicht mehr ertragen. Vom Rauschen der Baumwipfel wie hypnotisiert falle ich schließlich in einen unruhigen Schlaf.
Der Morgen kommt zu früh. Wie in Trance stehe ich auf und mache mich bereit für den Weg durch den Wald. Ich packe Medikamente und Lebensmittel in einen kleinen Korb und hole meinen roten Mantel aus dem Schrank. Er ist warm und gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit, das ich jetzt so dringend brauche.
Ich atme tief durch und trete an den Waldrand. Schweren Herzens mache ich einen Schritt nach vorne und spüre, wie die Stille über meinem Kopf zusammenschlägt wie Wellen, die mich verschlucken. Der Klang meiner Schritte wird vom weichen Moosboden gänzlich geschluckt. Mein Blick fällt auf einen Vogel, der auf einem Ast neben mir seinen Schnabel öffnet und wieder schließt, ein klägliches, gedämpftes Zwitschern entfährt seiner Kehle. Es klingt wie eine Warnung.
Ich setze einen Schritt vor den anderen. Erst vorsichtig, dann immer schneller bis ich schließlich renne. Ich laufe davon vor meiner eigenen Angst. Doch sie holt mich bei jedem Knacken, jedem Knistern, das aus dem Wald dringt, wieder ein. Dann ist plötzlich noch ein weiteres Geräusch zu hören, ein Knurren. Verdächtig nahe an meinem Ohr. Ruckartig drehe ich mich um und sehe hinter mir auf dem Weg sitzend einen gewaltigen, grauen Wolf, die Zähne gefletscht, die Nackenhaare aufgestellt. Lange Speichelfäden reichen von seinen gelben Zähnen bis zum Boden.
Ich bin starr vor Angst. Der Moment scheint sich unendlich auszudehnen. Jede Sekunde davon rechne ich damit, dass er mich anspringt und mir die Kehle durchbeisst.
Visionen von Blut und Schmerz benebeln mir schlagartig die Sicht. Ich versuche sie zu unterdrücken. Als mein Blick wieder klar wird, ist der Wolf plötzlich verschwunden. Meine Augen tasten fiebrig meine gesamte Umgebung ab, und auch wenn mir ist als könnte ich das Knurren noch deutlich hören, kann ich keinen Wolf, nicht mal einen Vogel oder ein anderes Tier entdecken.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als meinen Weg fortzusetzen, das seltsame Knurren tönt mir immer noch in den Ohren. Ich nehme mir vor langsam und bedächtig zu gehen, die Angst schiebt mich jedoch schneller und immer schneller vor sich her. Ich bin ihr wehrlos ausgeliefert. Sie zwingt mich dazu in jedem Schatten, jedem Ast etwas schauriges zu erkennen. Immer wieder muss ich mich umdrehen um mich zu vergewissern, dass der Wolf mich nicht verfolgt.
Endlich erhebt sich vor mir groß und dunkel das Haus meiner Großmutter. Ich kann mich nun nicht mehr zurückhalten und renne die letzten Meter. Hastig stoße ich die Tür auf und rufe nach meiner Großmutter. Keine Antwort. Ich steige die Stufen zu ihrem Schlafzimmer empor und trete an ihr Bett. Sie schläft tief und fest, erschöpft von ihrer Krankheit. Ich beuge mich über ihr Gesicht - und erschaudere. Tief in mir drin spüre ich, dass etwas nicht stimmt. Dann sehe ich ihre Nase, seltsam groß und grau ragt sie scheinbar viel zu weit aus ihrem Gesicht heraus. Plötzlich fühle ich mich als würde ich fallen. Ein seltsames Gefühl von Entrücktheit überkommt mich. Ich gehöre hier nicht her, das weiß ich jetzt und sehe nun auch die spitzen gelben Zähne, die aus dem faltigen, Mund meiner Großmutter wachsen und die seltsam entstellten, haarigen Ohren, die so gar nicht zum sonst so gepflegten Äußeren meiner Großmutter passen. Irgendetwas stimmt hier nicht.
Und dann ertönt es wieder, das tiefe Knurren. Diesmal ist es so laut, dass es mein gesamtes Denken erfüllt. Es dringt durch meinen Körper, ergreift Besitz von meinem Sehen, Fühlen, Schmecken, Riechen, Denken - von meinem Ich. Ich bin nicht mehr ich selbst. Niemand, nicht einmal ich kann meine Hand aufhalten, als sie in den Korb greift und das große, scharfe Messer herausholt. Ich beobachte von einem entfernten Winkel meines Körpers aus wie sich meine Hand mit dem Messer hebt und in das grotesk-entstellte Gesicht meiner Großmutter stößt, fest entschlossen das Grauen, das sich dort widerspiegelt, zu vertreiben. Sie wacht nicht einmal auf, so schnell ist es vorbei. Als das Blut ihr Gesicht bedeckt und das durchdringende Knurren endlich abebbt, atme ich erleichtert auf und Grinse zufrieden in der Gewissheit das Böse vertrieben zu haben. Zumindest fürs Erste.


Apr 25

Alltagsgegenstand beschreiben

Mein kleiner langer Freund // Fabrizio Capocefalo

Mein Gegenstand ist meist schwarz oder grau. Er ist lang und würde locker in meine Hosentasche passen. Man steckt ihn aber normalerweise nie in die Hosentasche. Eigentlich ist er ja eine kleine Zeitmaschine. Man kann mit ihm innerhalb von wenigen Sekunden z.B. zwischen 1818 und 1930 reisen, von der Vergangenheit in die Zukunft, von der Realität in die Fiktion.
Doch alleine ist er ziemlich hilf- und nutzlos. Will man mit ihm in die Vergangenheit reisen, muss man immer seinen großen Bruder dabei haben. Dieser ist groß und rechteckig und passt leider nicht in meine Hosentasche. Deswegen war mein Gegenstand noch nie mit mir im Urlaub. Er hat immer ganz brav zu Hause auf mich gewartet, auf der Couch, auf dem Bett oder auf meinem Nachtkästchen, und als ich wieder zurückkam war er sofort einsatzbereit.
Gestern war er müde und schwach und ich musste ihn mit frischen Batterien füttern. Doch nach kurzer Zeit lief er wieder mit gewohnter Zuverlässigkeit. Bis zur nächsten Fütterung werden noch viele Monate vergehen. Und bis dahin werden wir beide noch sehr viele Städte besuchen, neue Leute kennen lernen und im Stadion live dabei sein … und das alles von zu Hause aus. Ich, mit meinem kleinen langen Freund …

F6 // Elisabeth Feurer

Die F6 ist unser Treffpunkt. Seit Jahren schon und auch für die nächsten paar Jahre. Naja, früher hieß sie H6.

Die Halle 6 sah schon immer recht ramponiert aus. Sie liegt ja auch gegenüber vom Abfallwirtschaftsbetriebshof. Früher standen noch Fahrzeuge drin – obwohl schon lange Bauzäune und ein unübersehbares „Zutritt Verboten, Eltern haften für ihre Kinder“ als einziges Tor vor dem tristen Gebäude standen. Wenn die Sonne schien, war deutlich zu sehen, wie eine Halle mit pechschwarzdreckigen Fenstern doch hell werden konnte: Vor langem schon muss ein großer Teil eines Baumes bei einem Sturm ein Loch in die Decke gerissen haben. Schon beim ersten Treffen vor den Zäunen der H6 gingen die Gedanken mit uns durch. Bald waren erste Pläne gezeichnet, wie man die Leerstehende Halle in eine riesige Disco umbauen könne. Parkplätze waren nachts genug und die nächsten Wohngebäude waren in jeder Richtung über 100 Meter weit weg. Die Anfrage nach dem Kaufpreis ging bald darauf an die Stadt und zurück kam… nichts.

Vor ca. einem Jahr wurde die Halle endgültig wegen Baufälligkeit abgerissen. Zurück bleibt ein immer noch von Bauzäunen umzingelte leer stehende Schuttfläche – die F6, vor der wir immer noch gerne unsere Treffen abhalten.

Ausgedient // Agnes Bachmaier

Dunkelbraun, brunett
nicht blond
eher bedeckt,
liegt sie da in der Ecke,
am Boden.

Zerknautscht,
geschunden,
Stiche im Körper
Messerschnitte.
Verwundung.

Tod die Struktur.

Anstrengung.
Zerren der Last
vergangener Tage.

Feine Risse
aufgebrochener Jahre
in den Fasern.
Entkräftung.

Verblasst die Haut,
abgelöst vom Körper.
Ausgelaugt.
Abgetragen.

Ausgedient die
Ledertasche.

Bilderrahmen // Kadir Kara

Ich weiß nicht mehr genau wie er aussieht. Ich weiß nur, dass er alt ist. Wahrscheinlich ist er rot-braun und am Randinneren mit Schnörkeln versehen und am äußeren Rand glatt.

Vielleicht ist er groß, ich weiß es nicht mehr.

Früher, als man klein und in dem Alter war, in dem man langsam anfängt sich Gesichter und die dazugehörigen Namen zu merken, haben einem die Eltern manchmal ein eingerahmtes Bild – bei uns hängen eigentlich keine eingerahmten Bilder – gezeigt, auf dem Verwandte abgebildet waren. Verwandte von weit weg, aus einer anderen Nation, die man eigentlich nicht kannte, weil man sie noch nie oder nur selten sah und man eigentlich noch zu klein war, um sie sich zu merken.

Früher war der Bilderrahmen wohl etwas mystisches, weil man die Menschen darin nicht kannte und sie nicht greifbar waren, aber scheinbar wichtig für einen selbst.

Der Bilderrahmen mit samt dem Bild ist mittlerweile weggestellt, irgendwohin. An das eingerahmte Bild kann ich mich nicht erinnern, viel mehr an den rot-braunen Rahmen. Vielleicht sollte man beides wieder herausholen, um Gesichter zu den Namen zu haben.


Mar 23

Mein schönstes deutsches Wort

Überstunde // Jacques Alomo

“Diese Stunden sind nicht die des Jauchzens und Narrens. Der Feierabend liegt in weiter ferne. Dazwischen eine Aufgabe, ein Auftrag, eine Möglichkeit auf ewig in die Ruhmreichen Hallen der Märtyrer einzuziehen.

Vereinet euch ihr Krieger der Kreativtät, Repräsentanten einer Kaste, einer Klasse weit über dem gemeinen Pöbel. Nutzt die magische Zeit des Zwielichts und verbindet eure Kräfte aus dem endlosen Sog der Ideen!

In Reih und Glied steht ihr stramm, der dunklen Stunde der Helden zugewandt. Befreit von den autoritären Ketten der Knechtschafft! Legt an eure güldenen Rüstungen und Morgensterne aus Cupertino-Stahl. Seite an Seite gestärkt von Bier und Fast Food.

Nun schwingt euch auf die adobschen Kriegspferde in die nächtliche Schlacht entgegen den düsteren Mächten der Deadline. Wankend fürchten Sie euren Angriff! Fallen werden Sie durch euer Wacom-Schwert. Diese Schlacht kämpfen wir Seite an Seite bis in den Morgengrauen für das Größere Wohl. Dies ist unsere Über_stunde!

Heute und Hier sind wir mehr!
Heute und Hier sind wir frei!
Heute und Hier besiegen wir Sie - Arbeit, Termin, Müdigkeit!
Nicht für den CD nicht für den AD nicht für die Agentur.
Nein für uns und nur für uns ziehen wir auf Zum Sieg. “





Moment! … Wie? Wir werden dafür nicht bezahlt?

Logo // Philipp Dettmer

Mein Lieblingswort ist: Logo. Logisch oder? Um das kurz klarzustellen, ich rede nicht von dem “Logo”, sondern von der Abkürzung von logisch, eine zeitlang auch als Modewort überstrapaziert, aber ich arbeite an seinem Revival. Warum? Zum einen klingt es rund, sanft, es fließt, viele deutsche Wörter haben “harte Kanten”.

Dann sagt es so viel und doch nichts. “logo” ist eine passende Antwort wenn jemand redet und man zu dem Thema nichts sagen und hören will, es sagt aus das man selbstverständlich weiß wovon der Gesprächspartner spricht und das es absolut unnötig ist das er weiter redet - besser noch er hört sofort damit auf. Es ist eine elegante Zusammenfassung des Satzes: “Ja, ich weiß wovon du redest, jetzt halt die Klappe und komm zum Punkt!” Sollte er weiterreden kann man noch ein zweites logo hinterher schicken.
Dann kann man logo noch als coolen “Ja-Ersatzt verwenden” - treffen wir uns da und Ort? Logo! Ist das Marmelade auf deinem Pulli? Logo! Es impliziert einfach eine gewisse unaufgeregte Selbstverständlichkeit. Voll logo, oder?

// Niklas Klein

Neulich, beim Einkaufen wurde mir die ganze Grausamkeit des Menschen vor Augen geführt. Erst wurde das arme Wesen umgebracht und anschließend in sein eigenes Arschloch gestopft um dann bei der Fleischfachverkäuferin neben den anderen Würstchen zu liegen. Das arme Würstchen. Aus meiner andächtigen Trauer werde ich sanft mit: „Sie wünschen: Weißwurst? Bratwurst? Leberwurst? Blutwurst? Fleischwurst? Currywurst? oder Wurstsalat?” in die abgekühlte Realität des Supermarktes zurück geholt. Bevor ich antworten kann beginnt irgendein Hanswurst sich zu beschweren, er hätte nicht ewig Zeit. Ein Wettrennen bei dem es um die Wurst geht schmiss eine unlustige, mit Bildzeitung bewaffnete Frau in die Runde. Und schon wurden alle Wurstsprüche ausgepackt: Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Eine weitere Gestalt begann mit eine Art Gesang; Wurst, Wurst, Wurst. Durst, Durst, Durst. Prost, Prost, Prost. Ein Pubertierender YouTube- Nerd, haut seinem über die schlechten Witze lachendem Freund „du trinkst gleich Wurstwasser“ an den Kopf… mir wird schlecht. „Ich hätte gerne eine Tofuwurst“, die Wurstfachverkäuferin sticht mit ihrem Dreizack in eine Wurst und meint: „Wir haben nur Tiere aus der Region“. Welch unschönes Wort Wurst doch war und ist. Mit einer Varianz der Aussprache die so unterschiedlich wie die Menschen selbst ist Wurst, Wurrst, Wurscht, Wuarst. Als ich mir lang genug darüber Gedanken machte kam mir, dass ich gerade mit leeren Händen auf dem Weg zum Grillen war. Aber das war mir
dann auch schon Wurscht.

Zwecks // Fabrizio Capocefalo

Gymnasium Unterhaching – 7. Klasse – Bio-Referat von meinem Mitschüler Marc.
Er sollte uns eigentlich etwas über Vögel erzählen, doch alle drei Sekunden hörte man das Wort „zwecks“.
Amseln schlafen nachts nicht, zwecks…
Wellensittiche kann man gut zu Hause halten, zwecks…
Adler haben gute Augen, zwecks…
Nach einigen Minuten bekam ich nichts mehr mit und wartete nur noch auf das Wort „zwecks“. Er benutze es immer wieder und immer wieder. Die Klasse lachte.
Unser Lehrer hatte damals die Gewohnheit nach Referaten auszufragen, um zu testen ob jeder zugehört hatte. Und wer wurde ausgefragt? Ich.
Ich hatte natürlich keine Ahnung vom Thema…und ratet mal welche Note ich bekommen habe? Na was reimt sich denn auf „zwecks“?
Ist doch klar, eine glatte sechs.
Seit diesem Tag verfluche ich das Wort „zwecks“.

Astronaut // Agnes Bachmaier

As_tro_naut.

Ast Astral Asphalt Aschfahl
Tropic Tronic Trollig Trippig
Nautisch Nautilus Naut Not Naht?
1. 2. 3.
Astronaut.
Astronaut thront dreisilbig wie ein rhythmischer Daktylus im Wörterkosmos.
Er steuert mit sphärischer Eleganz durch das All der unendlichen Textspaltigkeit.
Er ist stark. Er ist ein Held. Tro! Ein Kraftgebrüll!
Weiß steht ihm gut auf schwarzem Grund. Ein Mann, ein Wort.
Ein Wort für ein Ziel!
Bauarbeiter, Polizist, Busfahrer, Feuerwehrmann, neue Männer braucht das Land!
Die Welt ist noch in Ordnung. Nach dem Grund des Sandkastens kann die dunkle Seite des Mondes erkundet werden. Ich bin der lustige Astronaut und ich singe ein Lied, Ich!
Ich, die Welt, der Mond, die Sterne, wie kosmische Sitznachbarn.
Ipodstöpseln entströmen neue deutsche Wellen.
Er ist völlig losgelöst.
Von der Erde.
Es schwebt das Raumschiff.
Schwerelos.

// Carina Kapeller

Lange habe ich nachgedacht, was denn ein “schönes” deutsches Wort sei. Hab gegrübelt, welche Buchstabenanordnung denn angenehm klingt. War “Libelle” ein schönes Wort? Oder war die “Wiege” schöner? Sind viele “l” oder ein langes “ie” ausschlaggebend dafür, dass ich ein Wort toll finde? Schöner als andere? Doch davon war ich nicht überzeugt. Mein neues Lieblingswort musste anders gefunden werden.
Wie es das Schicksal so will, rief heute morgen eine Frau in der U-Bahn einer Gruppe von Jugendlichen hinterher: “Da vorne ist doch noch eine menge Platz, ihr Spatzenhirne!” “Spatzenhirn”. Da war es. Mein schönstes Wort. “Spatzenhirn” ist doch toll. Es klingt pfiffig und keck. Es ist zwar eigentlich ein Schimpfwort für das der wohl bekannteste kleine Vogel Pate stehen muss, aber es hört sich einfach nicht danach an. Es ist zwar nicht nett, dass das eigene Gehirnvolumen mit dem eines Spatzes verglichen wird, doch wer weiß schon, ob ein Spatz wirklich blöd ist? Und außerdem: “Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.”

Fantasie // Kadir Kara

Fanta-sie. Fantasie ist nicht eine Erfindung der Coca Cola Company und orange-gelb, sondern mehr die Erfindung selbst und etwas Großes.

Fantastisch ist auch groß - oder klein. Eine Fantasiewelt und ihre unzähligen Galaxien können erfunden, groß und fantastisch sein, die kleinen Details können genauso groß und fantastisch sein, aber nicht unbedingt erfunden.
Fantasie ist wohl eine Art Vorstellungskraft und hat man Fantasie, bewahrt man sich ein Stück „kindlich-sein“, glaube ich, zumindest fände ich das fantastisch.